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Der Schlüssel zu meinem Herzen

Der Schlüssel zu meinem Herzen

 

»Hier«, flüsterte ich leise und legte einen Schlüssel behutsam in seine Hände. »Das ist der Schlüssel zu meinem Herzen. Verliere ihn nie. «

Verwundert betrachtete er den silbernen Gegenstand. Seine Stirn runzelte sich leicht und sein vollkommenes Gesicht war wie ein großes Fragezeichen.

»Aber Herzen kann man nicht aufsperren….«, beteuerte er verwirrt.

Ich lachte ekstatisch, während er mich besorgt musterte. Langsam gewann meine Fassung Oberhand und ich beruhigte mich.

»Du Dummi, seit wann sperrt man Menschenteile auf!«

Ich kicherte ehe ich weiter sprach, diesmal in einem ernsteren Ton.

»Du weißt, dass ich nicht mehr lange zu leben habe.«

Sein Gesicht verfinsterte sich und schon wollte er mir widersprechen.

»Nein..«

»Schh, lass mich weiter reden!«

Sanft legte ich ihm einen Finger auf die weichen Lippen.

Er schaute mich bedrückt an.

Ich ließ mich nicht beirren, nicht jetzt.

 »Du kannst das  nicht verleugnen, Liebling. Nun, eines ist mir wirklich wichtig, und das habe ich in einer Truhe hier im Haus versteckt. Das ist wirklich mein Herz, auch wenn es nicht weiter schlägt. Finde es, mit dem Schlüssel wirst nur du es öffnen können.«

»Aber du wirst nicht sterben! «

»Mein letzter Wunsch ist, dass du die Truhe findest. Ich liebe dich! «

Die Tränen sammelten sich in meinen Augen an, ich sah meinen Schatz nur verschwommen.

Er beugte sich zu mir herunter, drückte mir seine bebenden heißen Lippen auf die Stirn. Während er das tat, murmelte »Ich liebe dich doch auch« und sofort lächelte ich.

Eine Träne rollte meine Wange hinunter und er wischte sie warmherzig weg.

»Nicht weinen, meine Kleine. «

Vergeblich versuchte ich ihm auch diesen Wunsch zu erfüllen, doch es wollte mir nicht gelingen. Die Tränen flossen und benässten mein Nachthemd.

Er legte seine Lippen auf meine, der Geschmack von Trauer, Salz und Abschied mischte sich in den Kuss. Und da hörte mein Herz auf zu schlagen.

 

Er schob sich mühsam auf der schmalen Treppe hinauf. Nur eine Luke in der Holzwand spendierte dem Dachboden Sonnenlicht.

»Diesen Ort hat Vanessa immer geliebt«, dachte er erschüttert und biss sich auf die Lippen.

Langsam rückte er die unzähligen Kartons zur Seite und hustete heftig, als er in eine Staubwolke geriet.

Tatsächlich fand er was er suchte.

Er schritt langsam zu der dunklen Truhe, die mit Blumenranken verziert war.

Schwer schluckend holte er einen silbernen Schlüssel hervor und steckte ihn in den Schloss. Es klickte kurz, dann war die Truhe offen.

Nur einen kleinen Moment zögerte er, dann betrachtete er den Inhalt. Ein Foto von ihnen stach heraus. Er hielt sie da zärtlich im Arm.

Danach sah er eine Kette. Er holte sie heraus. In verschlungener Schrift stand »vergiss mich nicht«.

Eine Träne lief seine Wange herunter.

Ein Blatt war der letzte Gegenstand. Er griff danach und faltete ihn behutsam auf.

»Mein Herz bist du. «

 
 


 






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