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[Vanessa Hudgens] Mobbing

Mobbing

Tief durch die Nase einatmen. So stand es zumindest im Internet.
Verzweifelt befolgte ich den Rat. Mein Brustkorb hob sich, ich spürte, wie dich frische Luft meine Lunge füllte. Dann sank er. Und keine Wirkung war zu sehen. Zum Teufel mit diesem Internet. Nichts, absolut nichts, half gegen die Nervosität, die sich schwer über meine Glieder legte. Zitternd nahm ich die silberne Herzkette, die ich morgens zärtlich um meinen Hals getan hatte, in die Hand und spielte mit dem Verschluss.
Die Mappe in meiner anderen Hand drohte zu Boden zu fallen, ich verhärtete sofort den Griff. Verdammt, musste alles so kompliziert sein? Ich hätte einfach den Privatlehrer als Lösung akzeptieren sollen. Aber nein, mein Kopf war härter als Stein, wenn es um solche Entscheidungen ging. Immer wollte ich das normale Mädchen spielen, das keine Eltern als Multimillionäre hatte. Absichtlich steckte ich meine Beine in ausgefranste Jeans, wärmte meine Füße mit geblichenen Convers und bedeckte meinen Oberkörper mit weiten T-Shirts. Lässig wollte ich wirken, wenigstens normal. Und nicht in solchen schrecklich geschnittenen Blusen und engen Röcken, die in Parfüm eingetaucht waren, der bis zum Himmel stank.
Nein, so ließ ich es nicht mit geschehen. Lieber den Stress einer neuen Schule auf mich ergehen lassen, als vor einem Lehrer zu stehen, der von gespitzten Bleistiften bis hin zur Anrede auf französisch verlangte.
Plötzlich spürte ich wie die Kette zwischen meinen Fingern hindurch rutschte und auf den Boden aufschlug. Fluchend bückte ich mich um sie aufzuheben. Und da geschah es – meine Hose riss. Nach Luft schnappend schoss mir die Röte ins Gesicht und sofort fuhr ich in die Höhe. Zu meinem Unglück standen fünf Schüler hinter mir im Sekretariat und grinsten mich belustigt an. Das war´s dann mit dem guten Eindruck, den ich hinterlassen wollte.
Ich legte mir die Weste um die Hüften und hoffte inständig, dass der Riss verdeckt war.
 Als ich mich der Sekretärin gänzlich zuwendete, hatte sie den Papierkram erledigt.
Ihre ausdrucklosen Augen, die hinter einer kleinen rundlichen Brille versteckt waren, blickten mich streng an.
»Hier Miss Hudgens, das ist ihr Stundenplan. Die offizielle Anmeldung wurde eben von der Direktion eingereicht. Sie können ihren Schultag hier ohne Zögerungen anfangen. Viel Glück und Erfolg, ich wünsche ihnen eine angenehme Zeit auf der East High«, ratterte sie herunter, als wäre es der auswendiggelernte Text, den sie jeden Schüler vortrug.
»Danke«, murmelte ich und nahm den Stundenplan zur Hand.
Heute war Montag. Ich schaute auf die Fächer vom heutigen Tag an und stöhnte. Alle Hauptfächer UND Französisch. Oh, wie ich die Sprache hasste.
Prima, mein Tag hatte ja hervorragend begonnen. Eine zerrissene Hose, mit der ich jetzt noch vier Stunden herumlaufen werde. Mir war zum Heulen zumute.
»Guck Mal, die mit der zerrissenen Hose«, lachte jemand hinter mir, als ich den Raum verließ. Es war definitiv einer von den Jugendlichen. So gut es ging, versuchte ich seinen Kommentar zu ignorieren und ging den Gang entlang, meine Mappe mit den nötigen Blättern, eng an meine Brust gepresst.
Das Gelächter hinter mir war schallend und da machte ich die Erkenntnis, die meine gesamten Haare am Körper sträuben ließen – die zerrissene Hose würde mein Markenzeichen der Verachtung sein. Das war klar, es würde sich in rasender Geschwindigkeit verbreiten. Es war nicht schwer, in so einem Dorf wie hier.
Jeder kennte den anderen, jeder grüßte sich im Vorbeigehen und jeder sprach über jeden. Keiner wurde verschont. Die Schülerzahl der East High war kinderleicht im Kopf zu rechnen. Keine schwindelerregende Summe wie an bekannten Schulen, wie in New York.
Seufzend versuchte ich mich hier zu orientieren und möglichst schnell zur Klasse zu gelangen.
Tatsächlich fand ich bald ein Schild, auf dem in verschnörkelter Schrift »Deutsch 1« stand, daneben wies ein Pfeil auf den richtigen Gang.
Als ich dort ankam, kam die schrille Glocke in Bewegung. Das Klingeln war so schrecklich, dass ich mir mit verbissenem Gesichtsausdruck die Hände auf die Ohren presste, die Mappe unter der Achsel geklemmt.
Als es endlich vorbei war, schaute ich in die feindseligen Gesichter meiner Mitschüler. Sie starrten mich an, als wäre ich ein Stückchen Mist, dass sich hierher verlaufen hatte – eine Unverschämtheit.
Verständnislos hob ich die Braue und betrat das Klassenzimmer. Manche funkelten mich an, manche behandelten mich wie Luft, andere wiederum tuschelten. Nicht schwer zu erraten über wen.
Ich fand einen Platz in der hintersten Reihe, direkt neben dem Fenster. Wortlos schritt ich dorthin und betrachtete meine angestrengt meine Fingernägel. Was habe ich nur falsch gemacht?
Ich wagte einen Blick zu den anderen, und traf sofort auf einen wütenden von einem blonden Mädchen. Sie saß nur zwei Plätze entfernt von mir und drehte ihren Kopf wieder zu dem Mädchen neben ihr.
»Schau nur, wie arrogant sie ist. Glaubst du sie hat eine Allergie gegen Glocken? Puh, ich kann sie jetzt schon nicht leiden.«
Die Worte, die extra so gesprochen worden sind, sodass ich sie hören konnte, trafen mich wie ein Hieb. Die Tränen schossen augenblicklich in meine Augen, ich blinzelte sie verletzt weg. Sie kannten mich doch alle nicht einmal richtig. Ich hatte nichts an mir, dass an meine aufgebrezelten Eltern erinnerte, ich hatte noch nicht einmal ein Wort gesagt.
Während ich gegen den Kloß im Hals ankämpfte, schritt ein Lehrer ein, er hatte einen Pariser Hut an. Bei dem Anblick konnte ich meinen Seufzer nicht unterdrücken, denn mir stand der Tränenausbruch nur zwei Millimeter entfernt. Der Lehrer hörte zu allem Überfluss noch meinen Seufzer und wandte sich überrascht an.
»Tu n´aime pas chapeau, Mademoiselle ?«
Verdutzt hielt ich den Atem an und versuchte eine Antwort in meinem Hirn zu fabrizieren, doch es schien wie gelähmt. Deswegen antwortete ich mit einem einfachen »Oui« und zog mir damit die Feindschaft des Lehrers auf das Gewissen.
Nach der Stunde wollte ich aufs WC flüchten um einen klaren Kopf zu kriegen, als mich jemand am Arm zu fassen kriegte.
»Hey Hey nicht so schnell.«
Ich wusste wem diese Stimme gehörte. Dem blonden Mädchen, Ashley hieß sie. So hatte sie der Lehrer genannt. Energisch drehte ich mich um und wartete auf das, was sie sagen wollte.
»Schau Mal. Solche Algengrützen wie du, sind an unserer sauberen Schule nicht willkommen. Wenn du mit deiner arroganten Art vorhast, alle Herzen zu verzaubern, so kannst du es gleich vergessen. Somit hab ich dir einen Strich gegen die Rechnung gemacht und du wirst sehn mit wem du dich da anlegst.«
Wütend atmete sie ruckartig vor meinem Gesicht aus, der Luftschwall ließ mich die Augen schließen - und gleich wieder aufschlagen.
»Aber, ich -«, versuchte ich mit einer zittrigen Stimme.
»Vergiss es. Die Lämmchenart kommt bei mir nicht an. Falls du das zerknickte Mädchen, dass in die Opferrolle gedrängt worden ist, spielen willst, dann kannst du dir das abschminken. Und jetzt aus dem Weg!«
Sie stieß mich grob zur Seite, ich prallte hart gegen die Wand. Perplex starrte ich ihr nach. Sie schwang heftig mit den Hüften und stolzierte den Gang entlang. Mit einer grazilen Bewegung winkte sie ein Mädchen zu sich.
Ich wendete den Blick wieder ab und schaute verletzt, aber auch wütend zu Boden. Was fiel denen ein, sich eine Meinung über mich zu bilden, obwohl ich nichts getan hatte?
Es schien so als würde mich die Unglücksfee von Anfang des Tages mit ihrem schrecklichen Sand bestäubt zu haben, denn so recht konnte ich keine einzige Glückssituation feststellen. Geknickt schlenderte ich den Gang entlang und suchte ihn nach einer Toilette ab. Schließlich fand ich sie und schloss mich in einer Kabine ein. Sollte ich doch zu spät zur Stunde kommen, was könnte mir denn noch schlimmer passieren?
Ich ließ alles Revue passieren und versuchte zu verstehen, was ich fast gemacht hatte. Durfte man hier keine schrillen Glocken hassen? Musste man deswegen gleich als arrogant abgestempelt werden. Traurig setzte ich mich auf den Toilettensitz und stützte mein Kinn mit beiden Fäusten.
Ich müsste mich beweisen, das war der einzige Ausweg. Unbeholfen holte ich mein Handy hervor und musste sofort an meinen Freund denken. Mike, meine erste große Liebe, von der ich jetzt so weit entfernt war. Warum war das Glück nie an meiner Seite?
Ich kämpfte mit dem Tränenschwall an, der die Tränenleiter empor stieg und tippte – unter verschwommener Sicht- eine Nachricht für meinen Liebsten ein.
»Schatz, es ist unglaublich schwer hier, ohne dich an meiner Seite. Ich vermisse dich, schon nach dem ersten Tag. Wäre es echt nicht zu machen, dass du hierher kommst? Ich liebe dich, Vanessa.«
Bevor ich sie abschickte, las ich sie mir noch einmal laut vor um mich zu überzeugen, dass alles passte. Schließlich drückte ich ab, und die Mitteilung flog jetzt wahrscheinlich über diese unsichtbaren Versandlinien zu ihm, einige hundert Kilometer von mir entfernt.
Schluchzend befreite ich mein Gesicht von Tränenspuren und richtete mit einer Handbewegung mein Haar. Dann strich ich mir die Kleidung glatt und musste unwillkürlich an meine Hose denken. Spätestens morgen würde die Nachricht verbreitet sein.
Schweren Herzens verließ ich die Toilette und blickte in das feinselige Gesicht eines Mädchens, das gerade dabei war die Hände zu waschen.
»Es ist so unglaublich schwer hier«, äffte sie mir verärgert nach.
»Na warte, dass werd ich sofort Ashley erzählen.«
Bevor ich etwas einwenden konnte, dampfte sie wütend ab und ließ mich verdattert am Klo stehen. Heute wollte das Pech nicht aufhören.
 
Sechs Wochen später saß ich immer noch in dieser Schule fest. Die Leere hatte mich heimgesucht, so wie ich es normalerweise bei meinem Magen kannte. Nein, es war mein Geist, der hungrig nach Liebe war. Aber er war leer.
Ashley hatte jeden Tag eine böse Überraschung für mich, als wäre es nicht genug, wenn sie es mir offen ins Gesicht schrie – Ich hasse dich, du Idiotin.
Meine Schritte waren mechanisch geworden, mein Gesicht hatte sich verändert, hatte eine dunkle Miene angenommen.
Namen wurden stündlich über mich erfunden. »Hosenaufreißerin«, »Arroganzbestie«, »Draculagespinst« »Nessie, das Seeungeheuer« und so weiter und so fort.
Ich sollte angeblich mit dem bestaussehendsten – vierzigjährigen- Mann des Nachbardorfes durchgebrannt sein. Täglich hörte ich Gerüchte über ein Mädchen, dass die Lehrer verführte um gute Noten zu erlangen, ein Mädchen, dass beim Stadtschulrat eine Änderung der Glocken verlangt hatte, … - ein Mädchen das ICH sein sollte. Ich verstand die Welt nicht mehr. Wollten sie hier nur jemanden den sie schikanieren konnten, bis die Lust auswich?
Mike hatte sich bis jetzt nicht gemeldet, was auch ein Teil meiner Leere war. Offensichtlich hatte er mich schon aus seinem Leben gestrichen, ohne mir wenigstens ein Abschiedswort zu sagen.
Tonlos, mit gesenktem Blick, schritt ich an den Spinden vorbei, um in den Schulgarten zu schreiten, mich unter einem ruhigen Baum zu verdrücken und die Welt einfach zu vergessen.
Doch schon stellte sich Ashley vor mir und grinste mich höhnisch an.
»Wohin denn so früh?«
Ich stöhnte innerlich. Konnte sie mich nicht einmal EINE Minute in Frieden lassen?
Stumm starrte ich sie an, erwiderte einfach nichts.
»Wenn ich mit dir rede, antwortest du gefälligst du Miststück!«, fuhr sie mich an und stieß mich zurück. Mein Körper war mittlerweile so abgemagert, dass ich nicht genug Energie hatte aufrecht zu bleiben und stürzte grob auf den Boden.
Sie baute sich hämisch vor mir auf, und schaute auf mich herunter.
Ich versucht mich wieder aufzurichten, und stütze mich meinen Ellbogen ab.
»Nun Lämmchen, heute muss ich dir wieder einmal den Tag versüßen!«
Grinsend winkte sie einige Schüler zu sich, jeder trug etwas in der Hand.
Früh genug erkannte ich voller Schrecken, was das war: Lebensmittel. Eier, Zucker, Mehl – einfach alles, was man braucht um zu backen.
Ashley rieb sich mit leuchtendem Blick die Augen und schaute sich ein letztes Mals um. Zufrieden merkte sie, dass sich eine Schülerschar angesammelt hatte. Ein junge mit blaugrünen Augen, die wunderschön waren, gesellte sich neben sie und legte ihr einen Arm auf die Schulter. Überrascht drehte sie sich zu ihm um.
»Zaac, mein Baby.«
Ich schaute weg, als sich ihre Lippen berührten. Sie tat alles um mich zu verletzten. Auch mit meinen Gefühlen spielen, denn sie wusste, dass ich Liebeskummer habe – dank dem Mädchen von dem Klo.
Nach dem feurigen Kuss drehten sich die zwei zu mir um und betrachteten mich gehässig.
»Zeit für Süßes. Eier bitte.«
Panik stieg in mir hoch, als ich bemerkte was sie vorhatte. Doch als ich den erbärmlichen Versuch machte, zu fliehen, hielt mich eine kräftige Hand fest. Verwirrt schaute ich hin und traf auf den ausdruckslosen Blick Zac´s.
Ashley kam zu mir und klopfte die Eier aneinander. Der Inhalt tropfte ekelerregend langsam auf mein Gesicht herunter, bis schließlich die zwei Eier mein Gesicht bedeckten, und mein Atem flacher war. Vor Wut und Schmerz war ich erstarrt.
»So, das wäre der Anfang. Zucker.«
Und so ging es weiter. Ich schloss die Augen und ließ es über mich geschehen. Wehren konnte ich mich nicht, das Muskelpaket der Schule sorgte dafür.
Mehl, Vanillezucker, Gummibärlies, Zucker, Gelatine und Staubzucker bedeckten mein Gesicht, und meine Kleidung. Die Hand hatte ich verschonen können, indem ich sie hinter meinem Rücken versteckt hatte.
Zufrieden betrachtete Ashley ihr Meisterwerk.
»So siehst du viel hübscher aus, glaub mir. Solltest du öfters machen.«
Einige Schüler kicherten und glucksten hinter ihr. Triumphierend schoss sie noch einige Fotos, ehe sie sich vollständig abwendete, mich meinem Elend allein überlassen.
Ich wollte mich endlich bewegen, aufs Klo rennen, und die Spuren der bösen Tat Ashley´s halbwegs zu beseitigen, als mich ein heftiger Schmerz in den Rippen aufschreien ließ. Zac stand keine paar Zentimeter neben mir und rammte mir den Fuß in die Knochen. Ich biss die Zähen aufeinander und unterdrückte einen weiteren Aufschrei. Der Schmerz kroch von meinen Rippen weg, entlang meines gesamten Körpers und ließ mich straucheln. Die Lungen fühlten sich träge an, betäubt.
Die Tränen, die ich seit Wochen unterdrückt hatte, einfach verbannt, schossen hoch und bahnten sich einen Weg durch die dicke Eier- und Mehlschicht.
Zac blickte weg, zitternd, und schritt von danen.
Es war plausibel, dass er so etwas tun würde, natürlich. Er war schließlich auch ein Anhänger der Ashley Bande. Nach Pippi Langstumpfs Meinung: drei gegen einen war feige. Was würde sie über 250 gegen einen sagen?
Ich konnte mich noch in eine Ecke schieben, mehr verhalfen mir meine Glieder nicht. Nach zehn Minuten fand mich ein Lehrkörper hilflos und eingekauert dort sitzen, und transportierte mich sogleich zur Schulärztin.
 
Ich hielt alles aus, und redete mir ein, so wenigstens kein verwöhntes Kind zu sein, dass bei jedem Problem zu ihren Eltern lief. Ich redete mir ein, stark zu sein, und durch mein Nichts-Tun Widerstand zu leisten.
Ich wusste, dass es arm um mich stand, dass ich nach noch mehr Mobbing tot umfallen würde.
Ich wünschte mir eine gefährliche Krankheit herbei, die mich weit weit weg von hier transportieren würde. In eine Anstalt, in ein Spital – egal wo hin, Hauptsache hier weg.
 
Nach einem anstrengenden Schultag, mit einer Unterdrückung und Demütigung von Ashley, schritt ich auf dem Asphalt dahin. Meine Schritte klangen für mich dumpf und schwer. Mit meinen mageren Armen umklammerte ich meine Mappe (die ich jeden Tag mit mir herumschleppte), und nahm die Umgebung nicht mehr wahr. Ich versank wie immer in meinen Träumen, von Freiheit, von Liebe und Glück.
Meine Schritte klangen so laut in der Stille des Abends, der schwer über mir lag. Die Baumkronen wippten im Takt der Windschläge mit und boten einen gruseligen Anblick, den ich nicht beachtete.
Wie sehr wünschte ich mir ein Leben ohne Sorgen, ohne klammheimliches Bangen.
Wie sehr…
Plötzlich riss mich ein meckerndes Lachen aus meinen Gedanken. Ich wirbelte herum und sah einem Mann direkt in die Augen. Er hatte eine schlichte Jeans und ein orangenes T-Shirt an und ein unangenehmer Geruch ging von ihm aus – Alkohol.
»Na Süße, haste auch ein bisl –hicks-Lust mit mia zu spiel´n –hicks?«
Ich taumelte einige Schritte nach hinten und schnappte nach Luft.
Blitzartig ließ ich es mir durch den Kopf gehen. Wenn er mich vergewaltigt werden meine Eltern Wind davon kriegen und werden vor Empörung in eine andere Stadt ziehen. Das wäre doch eine gigantisch gute Idee.
Er kam auf mich zu, die Arme nach mir ausgestreckt, sein Gesicht von einem schrecklichen Lachen verzerrt.
»Komm zu Papi, Ba – hicks- by«
Widerstandslos ließ ich mich von ihm mitziehen und schloss die Augen. So schlimm würde es bestimmt nicht sein.
Plötzlich spürte ich ein Trampeln hinter mir.
»Vanessa, wehr dich verdammt!«, schrie eine vertraute Stimme von weitem. Panik durchzuckte mich. Zac.
Mach schnell und vergewaltige mich, betete ich insgeheim und wollte den Mann weiterzerren.
Doch Zac war schneller.
Er kam an und verpasste dem Mann eine harte Ohrfeige.
»Eyy, was hase getrunkn Mann, die gehör mir!«
Zac schlug erneut zu, diesmal rannte der Mann um sein Leben.
Sein Brustkorb hob und senkte sich, angestrengt blickte er in die Ferne.
»Warum hast du das getan?«, nuschelte ich leise und schaute ihn an. »Warum lasst du und Ashley mich nie in Frieden?«
Endlich schaute er mich an.
»Wolltest du wirklich vergewaltigt werden? Sag einmal spinnst du?«
Ich zuckte leicht mit den Schultern.
»Kann dir doch egal sein.«
Ein Schatten von Wut legte sich über sein Gesicht.
»Ich bin kein Tyrann. Ich… befolge einfach nur das, was Ashley sagt.«
Heiser lachte ich auf, ein wahnsinniges Lachen.
»Ach, das sehe ich.«
Die Worte die folgten, überraschten mich.
»Ich liebe dich. Verdammt, ICH LIEBE DICH«, schrie er mich an und rüttelte mich. Benommen schaute ich ihm in die Augen.
»Was kommt jetzt? Der Lacher, der verkündigt, dass alles nur ein Scherz ist? Bist du mir deswegen hinterher gelaufen?«
Statt einer Antwort drückte er mir die Lippen auf die Stirn.
»Ich habe Schulden bei Ashley. Ich musse dir wehtun, um diese zu begleichen. Es tut mir Leid. Ändert aber nichts daran, dass ich dich liebe.«
Und da sah ich den anderen Zac vor mir. Er war warm, liebherzig und glich einem Engel.
Täuschte ich mich, oder schwirrten Schmetterlinge in meinem Bauch?«
Schüchtern sah ich hinunter. Er streckte mir die Hand entgegen. Die Berührung elektrizierte mich, ganz anders wie es bei Mike war. Das musste wahre Liebe sein.
 
Nun waren es 249 gegen zwei. Mit der Zeit wurden es mehr, aber ich war sicher, das Zac mir immer beistehen wird. Er muss sich nicht mehr vor Ashley fürchten, nicht vor dieser Göre. Die Schulden hatte ich ihm bezahlt, knappe hundert Dollor, die meine Eltern für einen Wein ausgaben. Nichts besonders in meinem Leben. Doch Zac bestand darauf einen Ferialjob zu machen und das Geld zu gewinnen, und es mir anschließend zu geben. So kannte ich meinen Helden.
Die Unglücksfee hatte den wahren Staub gefunden, den Liebesstaub. Jeden Tag wenn ich mir die Augen rieb, spürte ich ihn deutlich und lächelte. Jeder Tag mit ihm war ein Glück, das ich einfach nicht fassen konnte.
Doch wenn ich seine weichen Lippen auf meinen spürte, wusste ich, dass ich keineswegs in einem Traum gelandet war. Es war wirklich.
Die wahre Liebe gab es wirklich, auch wenn sie am Anfang in einer verstrickten Lage war. Man muss nur die Schale knacken, den Menschen in echt sehen und dann ging alles von selbst…






Kommentare zu dieser Seite:
Kommentar von Caro aka Zac-Fan27( pinkmuffin2712web.de ), 07.09.2009 um 17:21 (UTC):
Oh mein Gott,
meiner Meinung nach einer der besten Geschichten die ich je gelesen habe. Ich hab geweint ich hab so viel geweint - wunderschön geschriebn und herzzerreißend zugleich - das war großartig und ich bin hin und weg... so viel geweint hab ich, Menschen zu Tränen zu rühren ist eine besondere Gabe.
Ich finde keine Worte du bist ein wahnsinniges Talent



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